Masterarbeit Kai Krause

Im Gebiet der Mensch-Maschine-Interaktion befasst man sich schon seit längerer Zeit mit der Entwicklung sogenannter Natural User Interfaces (NUI). Hierbei handelt es sich um Eingabemethoden, die darauf abzielen die Interaktion zwischen dem Mensch und Computersystemen insgesamt natürlicher zu gestalten. Ein Teilgebiet der NUI setzt sich mit der Erfassung von Hand- und Fingerbewegungen auseinander. Die bisher entwickelten technischen Lösungen kommen überwiegend in Umfeldern wie Forschung und Entwicklung zum Einsatz. Für Privatpersonen war diese Technologie bislang eher unrentabel. Dies begründet sich einerseits durch die hohen Anschaffungskosten, andererseits durch einen Mangel an Alltagstauglichkeit. Komplizierte Aufbauten, Kalibrierungsvorgänge oder schlicht die Notwendigkeit Geräte anzulegen, erschweren die Nutzerakzeptanz solcher Systeme, außerhalb der genannten Umfelder.

Mit dem im Jahr 2013 vorgestellten Leap Motion Controller könnte sich dies jedoch ändern. Das Gerät gestattet die berührungslose, dreidimensionale Erkennung von Händen und Fingern mit einer Genauigkeit von bis zu 0,01mm. Die kompakte Bauform, die intuitive Bedienung und der geringe Anschaffungspreis beseitigen die Barrieren, die bislang mit vergleichbaren Systemen einhergingen. Die kontaktlose Funktionsweise des Leap Motion Controllers, die zweifelsohne zahlreiche interessante Einsatzgebiete eröffnet, hat jedoch auch eine Kehrseite. Taktile Rückmeldungen (Informationen an den Tastsinn), kann der Controller dem Anwender prinzipbedingt nicht vermitteln. Im Alltag des Menschen spielen diese Rückmeldungen aber eine wichtige Rolle. Insbesondere bei Präzisionsgriffen, die ein hohes Maß an feinmotorischen Fähigkeiten erfordern, sind sie unerlässlich. Durch die hohe Genauigkeit des Controllers in Verbindung mit der genannten Restriktion, ergibt sich die Fragestellung, wie gut sich ein System wie der Leap Motion Controller dazu eignet, Präzisionsgriffe in einem virtuellen Kontext zu reproduzieren. Durch die Ausgestaltung eines prototypischen Versuchsaufbaus sollen die Stärken und Schwächen des Controllers und der zugehörigen Software in Bezug auf die Fragestellung aufgezeigt werden. Hierfür werden im Vorfeld Qualitätsmerkmale definiert, die mit Hilfe von Probandentests ausgewertet werden.